"Hallo,
mein Name ist Rebecca Garcia Fernandez.
Ich möchte euch heute meine Geschichte erzählen.
Wie ihr seht habe ich Probleme dabei euch irgendwelche Einleitenden Sachen zu meiner Geschichte zu sagen. Aber ich denke, dass bedarf es auch gar nicht.
Hört sie euch einfach an und dann Urteilt ihr selbst.
Ich muss dafür zurück in die Vergangenheit. In eine Zeit, in der es mich noch nicht einmal gab. Aber ihr müsst wissen was damals passiert ist. Es war wohl der Auslöser dafür, warum mein Leben so geworden ist, wie es nun mal geworden ist." B.
Kapitel I
29. Dezember 1989
In der Wohnung der Familie Garcia Fernandez
Gaby fing an auf den Innenseiten ihrer Backen zu kauen. Das tat sie immer wenn sie nervös wurde, oder ihr einfach unheimlich langweilig war. Jetzt gerade war zweiteres der Fall.
Anne Meyer war manchmal einfach furchtbar und kaum zu ertragen. Gerade saß sie bei Gabriel auf dem Sofa und quakte fröhlich vor sich hin. Sie schien gar keine Pause zwischen den Sätzen machen zu wollen und lies niemand anderen zu Wort kommen.
Auch die anderen Frauen waren mittlerweile etwas gelangweilt und fingen deshalb an ihre Augen durch den Raum gleiten zu lassen und sich genauer in dem Wohnzimmer der Familie Garcia Fernandez umzusehen.
Das hier heute war ein Treffen der Nachbarschaftsinitiative. Gegenstand der Besprechung war die bevorstehende Silvesternacht die mit einer großen Party gefeiert werden sollte.
Die Vorbereitungen waren alle schon längst getroffen, aber Anne fand immer noch etwas was besprechungs fähig und verbesserung würdig war.
Gaby sah gelangweilt auf die Uhr die an der Wand über dem Kamin hing.
Es war schon viertel vor 8.
Gaby stach besonders heraus aus allen Frauen. Neben der Tatsache, dass sie Spanierin war, war sie auch noch sehr hübsch. Sie hatte eine kurvige Figur, wobei sich dies normalerweise auf ihre Brüste und Hüfte bezog, im Moment aber duch die vorangeschrittene Schwangerschaft auch auf ihren Bauch bezogen werden konnte. Außerdem hatte sie wunderschöne braune, große Augen und ein wallendes schwarzes Haar um welches sie jedes Model beneidet hätte.
Jetzt wurde sie ein wenig nervös. Normalerweise war Alessandro Donnerstags immer um halb 8 da. Er hatte um 19 Uhr schluss auf der arbeit und holte dann Lisa von der Pfadfindergruppe ab. Er verspätete sich nie.
Alessandro war allgemein ein Mann, der sich immer an Absprachen hielt. Er achtete stets dadrauf pünktlich zu sein und andere Menschen nicht im vorhinein schon durch sein Verhalten zu verärgern.
Am Anfang war das ein kleines Problem zwischen Gaby und ihm gewesen. Gaby war alles andere als pünktlich. Man konnte wohl auch nicht sagen, dass sie besonders gut organisiert war.
Alessando hatte am Anfang große Probleme sich damit abzufinden und war so manches mal sauer wenn Gaby total abgehätzt 20 Minuten zu spät zu einem Date kam.
Aber irgendwie hatten sie es doch geschafft und waren mittlerweile 7 Jahre glücklich verheiratet.
Aufeinmal wurde Gaby aus ihren Sorgen und Gedanken gerissen. "Gaby?! Ich hab irgendwie das Gefühl du bist nicht richtig bei der Sache!", raunte Anne sie an.
"Entschuldige bitte, ich war in Gedanken, was hattest du gesagt?", antwortete Gaby versöhnlich und tätschelte dabei zärtlich ihren Bauch. "Schon gut. Ich hatte dich gefragt, was du davon halten würdest...", begann sie, doch Gaby hörte gar nicht mehr richtig zu. Dafür hörte sie aber, wie ein Auto auf den Hof fuhr. Sie hörte ganz genau, wie die kleinen Schottersteinchen an dem Reifen entlang schrabbten.
Jedoch war es nicht wie sonst. Das war nicht Alessandros Auto.
Alessandros Auto war ein uralter BMW und das konnte man auch schon von weitem hören. Es war nicht so, dass er Geräusche machte, als wenn er bald den "Geist" aufgeben würde. Aber man hörte es einfach. Es war dieses besondere Geräusch das der BMW machte. Fast wie ein schlurfen. Sie würde ihn überall heraushören.
"Gaby!?", fuhr Anne sie wieder an.
Doch Gaby war in dem Moment schon aufgesprungen und lief zur Tür. Die anderen Frauen sahen ihr fragend nach und Anne begann sofort sich über Gaby's Verhalten zu beschweren.
Doch Gaby machte sich gerade über sowas keine Gedanken.
Zeitgleich mit dem schrillen Klingeltton der Tür hatte sie die Klinke runtergedrückt und die Tür aufgerißen.
Vor ihr standen zwei Polizisten in grüner Uniform.
"Oh mein Gott!", dachte sie nur. Ihr stiegen die Tränen in die Augen.
"Sind Sie Miss Gabriella Garcia Fernandez?", fragte einer der Beamten.
Mit zittriger Stimme bejahte Gaby die Frage.
"Wir müssen Ihnen eine traurige Nachricht überbringen. Miss Fernandez es tut uns wirklich sehr Leid, aber ihr Mann...", weiter hörte Gaby nicht zu. Sie sank an der Tür entlang auf den Boden und blieb dort wie ein Häufchen Elend liegen.
Eine Stunde vorher im Pfarrzentrum der Gemeinde
"Jenny, meinst du es wäre ok, wenn ich schon mal nachhause fahre? Ich hab dir ja erzählt, dass ich morgen eine Mathe Arbeit schreibe und ich müsste eigentlich noch ein wenig lernen.", sagte ein blonder Teenager.
Das kleine Mädchen mit dem er sprach war vielleicht einen Meter hoch, hatte blonde, lockige Haare und blaue Augen, praktisch der Inbegriff von einem Engelchen.
Sie blickte zu ihm hoch und nickte. "Natürlich, kein Problem. Mein Dad kommt sowieso in ein paar Minuten! Du weißt ja, er ist immer super pünktlich!" Sie grinste. Der Junge grinste zurück. "Alles klar! Wir sehen uns dann nächste Woche! Pass auf dich auf!" Er strich ihr noch einmal über den Kopf, drehte sich dann um und ging.
Der Junge war John gewesen. Der 16 Jährige Gruppenleiter der "Wöflinge". Und Jenny war schon seit dem ersten Tag an dem sie an der Pfadfindergruppe teilgenommen hatte absolut verliebt in ihn. Eigentlich war dieses Pfadfinder Ding auch gar nicht so ihre Sache. Eigentlich konnte man sogar sagen, dass Jenny die Natur haßte. Sie fürchtete sich vor sämtlichen Tieren die man darin finden konnte, hatte absolut keinen Orientierungssinn und Campen war schon gar nichts für sie.
Bevor sie John gekannt hatte, hatte ihre Mutter Gaby sie mehr oder weniger dazu gezwungen, dass sie es wenigsten einmal Versucht.
Jenny war nicht gerade ein Mensch der schnell neue Kontakte schloß und in den zwei Jahren in denen sie jetzt bei der Familie Fernandez war, hatte sie keine Freundschaften geschloßen.
Weder im Kindergarten, welchen sie noch ein Jahr hier besuchte, noch jetzt in der ersten Klasse ihrer Grundschule, schloß sie Freundschaften oder hatte gar jemanden zum Spielen. Jennys Lehrerin Frau Schäfer hatte Gaby darauf angesprochen und Jennys Verhalten als besorgniserregend betittelt. Da auch schon Ruth, die Kindergärtnerin von Jenny sowas angedeutet hatte, hatte Gaby sich entschloßen dem ganzen ein wenig nachzuhelfen.
Doch Jenny hatte keine Lust dazu neue Leute kennen zu lernen. Sie war eh viel lieber unter sich und malte sich in ihrer Phantasie bunte Abenteuer aus.
Als Jenny dann auf einmal ganz begeistert von der Pfadfinderstunde war, war Gaby ziemlich froh und beschäfftigte sich nicht weiter mit dem Thema.
Jenny setzte sich auf die Mauer vor dem Pfarheim und dachte an John. Er war ja so toll! Und gleichzeitig war es so nett! Nicht so wie die anderen Jungs die sie kannte. Leider war er ganze 9 Jahre älter als sie, aber sie hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass er sich irgendwann für sie Interessieren würde. Und wenn nicht, dann würde sie sich auch damit zufrieden geben einfach nur seine beste Freundin zu werden. Hauptsache in seiner Nähe sein, dass war ihr jetzt wichtig.
Nach einer Weile sah sie auf ihre Armbanduhr. Es war schon halb 8 und ihr Vater war immernoch nicht da. Eigentlich hätte er um 20 nach 7 da sein müssen. Denn da war die Pfadfinderstunde zu Ende.
Sie blickte sich nervös um und versuchte die Autos ganz hinten auf der Straße zu erkennen. Aber es war schon so dunkel draußen, dass sie keine Chance hatte. Sie sah nur zwei gelbe Punkte in der ferne.
Elisabeth Krankenhaus
Operationssaal 1
Der Operationssaal war voller Menschen die wie verrückt durcheinander rannten. In der Mitte des Raums stand ein Operationstisch auf dem ein lateinamerikanisch aussehender Mann mittleren Alters lag. Ein Arzt war gerade dabei die Elektroschocks neu aufzuladen um sie danach auf die Brust des Mannes zu drücken. Eine Krankenschwester rannte zu einem Schrank und holte eine Ampulle aus ihm. Eine andere bemühte sich um passende Blutkonserven zu finden.
Alles in allem war es ein furchtbares wirrwar von Menschen.
Operationssaal 2
Auch in diesem OP war reges treiben, jedoch nicht ganz so viel wirrwarr wie in OP1. Gabriel lag in der Mitte des Saals auf dem Tisch und der behandelnde Arzt machte gerade ein Ultraschall von ihrem Bauch während ein anderer Arzt ihr immer wieder mit einer kleinen Taschenlampe in die Augen leuchtete und versuchte mit ihr zu sprechen. "Miss Fernandez? Miss Fernandez, wie geht es ihnen?" "Was ist mit Alessandro?", fragte Gaby immer wieder. "Miss Fernandez, ihrem Mann geht es den Umständen entsprechend! Aber jetzt müssen wir uns um sie und das Baby kümmern." Als Gaby das Wort Baby hörte sah sie den Mann zum ersten Mal richtig an. "Was ist mit dem Baby?", fragte sie nervös. Der Arzt der gerade mit ihr gesprochen hatte sah den den anderen Arzt an. Dieser säuberte gerade den Bauch von dem Geel das er aufgetragen hatte. Er war dem anderen Arzt einen eindringlichen Blick zu, dann sagte er: "Der Streßanfall den sie eben erlitten haben hat eine vorzeitige Geburt ausgelöst. Wir müssen es jetzt holen." Gaby hatte mittlerweile ihren Blick zu dem jetzt mit ihr sprechenden Arzt gewendet und sah ihn ängstlich an. "Aber das ist viel zu früh! Es sollte doch erst in 2 Monaten soweit sein!", sagte sie panisch. Bei den letzten Worten brach ihre Stimme weg.
"Miss Fernandez, wenn wir den Eingriff jetzt vornehmen, dann hat es eine 90% Chance zu überleben.", sagte der Arzt kühl und informatif. Er schien dabei nichts zu empfinden.
"90%? Das heißt zu 10% könnte es schief gehen!", folgerte Gaby schnell. "Ja, das stimmt. Aber wenn wir versuchen die Geburt zu blockieren, dann kann das schlimme folgen haben. Es könnte sein das einer von ihnen das ganze nicht überlebt. Wir würden ihnen wirklich dazu raten. Es ist für sie und auch für das Baby das Beste." Wenn es für das Baby das Beste war, dann konnte es ja eigentlich gar nicht so falsch sein, überlegte sie. "Ok, tun sie's."
Später am Abend im Haus der Familie Petersen
John saß an seinem Schreibtisch und tippte hektisch und schnell auf seinem Taschenrechner herum. Er würde diese Wahrscheinlichkeitsrechnung wohl nie so richtig verstehen. Die Mathe Arbeit war schon so gut wie verloren. Aber aufgeben wollte er noch nicht. Dafür war er nicht der Typ.
Plötzlich klingelte es. John sah auf die Uhr. Es war mittlerweile schon 23 Uhr. Wer sollte so spät noch klingeln? Er hörte die leichten Schritte seiner Mutter im Flur und blieb beruhigt sitzten. Jede Unterbrechung war nicht gut für seinen Lernfluss.
Plötzlich klopfte es an seiner Tür. John richtete seinen Blick auf die Tür und brachte ein kräftiges "Herein!" hervor.
Im Türrahmen stand seine Mutter mit einem besorgten Blick.
"Du hast Besuch.", sagte sie. John wollte gerade aufstehen um zur Haustür zu gehen um seinen vermeindlichen Besuch dort zu treffen, doch da trat seine Mutter zur Seite.
An steller der schönen kleinen Frau stand dort nun ein schönes noch kleineres Mädchen. "Jenny?!", brachte John erstaunt heraus. "Was machst du denn hier?", fügte er noch hinzu. Mit Jenny hatte er wirklich als aller letztes gerechnet. Am ehesten hatte er noch an seine Freundin Kathi gedacht, mit ihr hatte er eben einen kleinen Streit gehabt - sie war ebenfalls Pfadfinder-Gruppenleiterin - und deswegen waren sie ohne eine Aussprache auseinander gegangen.
Seine Mutter schob Jenny in sein Zimmer, nickte John einmal zu und schloß dann die Tür.
Jenny stand da wie ein häufchen Elend. Sie sah sich in dem Zimmer, in dem sie noch nie gewesen war, erstaunt um. Sie hatte bisher keine Vorstellung darüber gehabt wie das Zimmer ihres geliebten Johns aussah. Aber jetzt wo sie es sah, da war ihr klar, dass es genau so sein musste. Etwas anderes würde auch gar nicht zu ihm passen.
Sein Zimmer bestand aus einem bequem aussehenden Eck- Sofa, vor dem ein kleiner Tisch stand und welches in Richtung Fernseher ausgerichtet war, einem Schreibtisch mit einem großen alten Computer darauf, jede Menge Bücher auf Bücher Regalen, aber auch auf dem Boden verstreut, einem Schrank, den Jenny viel zu klein fand und einem dafür sehr großen Bett. Auf dem Nachttisch, der neben dem Bett stand, stand ein Bild von Kathi und John.
Jenny mochte Kathi. Auch wenn sie mit John zusammen war, und deshalb natürlich auch gleichzeitg ihre größte Rivalin, aber trotzdem konnte sie Kathi sehr gut leiden. Wahrscheinlich lag das daran, dass ihre Liebe zu John eher eine schwärmerische Kinderliebe war.
Erst war John sehr schockiert darüber, dass Jenny einfach so, total spät am Abend vor ihm stand und hätte sie beinahe schon angeraunt was sie hier macht. Dann sah er aber wie geknickt sie aussah.
"Jenny setzt dich doch.", sagte er stattdessen sanft und wies mit der Hand auf sein Sofa.
Als Jenny erst nicht richtig reagieren wollte stand John auf, schob sie sachte auf die Couch und setzte sich neben sie.
"Was ist passiert? Warum bist du hier?", fragte er jetzt und sah sie dabei an. Jenny starte auf den Tisch auf dem ein Buch mit dem Titel "English Lesson III" lag. Sie starte auf das Bild von dem jungen Mädchen und dem sicher genauso alten Jungen die in einer Bar stand und sich unterhielten.
John legte seine Hand auf Jennys Kinn und drehte ihr Gesicht vorsichtig in seine Richtung. "Jenny?", er schaute sie fragend an. "Wo ist dein Papa?" Er sah Tränen in Jenny's Augen. "Er ist nicht gekommen.", presste sie hervor. "Ich wusste, dass Mama mich irgendwann vergessen würde. Aber Papa?", fügte sie schnell und leise hinzu. Dann begann sie zu weinen. Sie warf sich in Johns Arm und weinte hemmungslos. John war zuerst überfordert. Damit hatte er nicht gerechnet. Er wusste, dass Jenny Probleme zuhause hatte.
Als Gaby und Alessandro damals Jenny adoptiert hatten, war ihnen kurz vorher von einem Arzt mitgeteilt worden, dass Gaby keine Kinder kriegen konnte. Da der Kinderwunsch aber so groß gewesen war, hatten sie sich dazu entschloßen ein Kind zu adoptieren.
Zu Anfang, war auch alles gut. Jenny war der kleine Sonnenschein der Familie. Mit ihrem Engelsgesicht hatte sie Gaby sofort überzeugt und auch Alessandro war sofort ganz vernarrt in die Kleine.
Doch dann, ungefähr vor einem halbe Jahr war Gaby plötzlich schwanger geworden. Ab dem Zeitpunkt hatte sie sich komplett geändert. Für sie drehte sich alles nur noch um die Schwangerschaft und Jenny geriet in den Hintergrund. Nur noch Alessandro schien sich für seine Tochter zu interessieren.
John wusste das alles, weil seine Mutter dir frühere beste Freundin von Gaby war. Damals in ihrer Jugend waren die beiden unzertrennlich gewesen. Heute sahen sie sich alle paar Monate. Sie versuchten den Kontakt zu halten, aber die Leben der beiden hatten sich geändert.
Nach ein paar Sekunden legte John seinen Arm um die kleine im Moment so zerbrechlich scheinende Jenny. Zuerst traute er sich gar nicht sie richtig festzuhalten, schließlich war sie so ein zierliches kleines Mädchen. Doch dann drückte er sie fest an sich um ihr den Halt zugeben, den sie gerade so dringend benötigte.
Nachdem sich die Kleine beruhigt hatte drückte er sie ein kleines Stückchen von sich weg und sah ihr in die Augen. Zärtlich wischte er ihr eine Träne von der Wange.
Er war von Anfang an von diesem kleinen Mädchen angetan gewesen. Sie war anders als die anderen Kinder aus der Gruppe. Sie war ruhig, genügsam, dankbar für alles.
"Ich werd deinen Dad mal anrufen!", sagte er, stand auf, ging zu einem der Bücherregale und nahm sich einen grünen Ordner herunter. Auf dem Einband stand groß "Pfandfinder" drauf.
Er legte den Ordner auf seinen Schreibtisch und suchte nach der Liste auf der die Telefonnummer all seiner kleinen Schützlinge für Notfälle notiert waren. Er fand die Nummer und nahm nun den Hörrer des Telefons, welches auf seinem Schreibtisch stand, in die Hand und wählte mit der anderen Hand die Nummer. Es began zu tuten. Er sah zu Jenny, die starr auf den Boden blickte. Es tutete immer noch. Dann ging der Anrufbeantwortet der Familie Fernandez an. Abwechselnd sprachen Jenny, Gaby und Alessandro um die Botschaft zu personalisieren. "Hallo Herr Fernandez.", sagte John unsicher. Jenny riß den Kopf hoch und sah John jetzt erwartungsvoll an. "Leider erreiche ich Sie nicht, aber ihre Tochter Jenny steht hier bei mir. Sie wurde heute Abend nicht von der Pfadfinderstunde abgeholt. Bitte rufen sie mich doch zurück wenn Sie die Nachricht abhören!" Als Jenny germerkt hatte, dass John nur mit dem Anrufbeantwortet sprach hatte sie den Blick wieder abgewendet. "Nur der Anrufbeantworter.", sagte John zu ihr gewandt. "Ich weiß.", sagte Jenny, und sah kurz zu ihm auf. John sah die Traurigkeit in ihren Augen und hatte auf einmal das dringende Bedürfniss dem kleinen Mädchen zu helfen. Jenny wendete den Blick wieder ab.
"Weißt du was Jenny?", sagte er während er sich wieder zu ihr auf das Sofa setzte. Sie sah ihn wieder an. "Es ist schon sehr spät und du siehst auch ziemlich müde aus. Wie wäre es wenn du heute einfach bei mir üernachtest?" Es brauchte ein wenig bis Jenny begriffen hatte was John da eben zu ihr gesagt hatte. Sie war wirklich schon ziemlich müde. Schließlich war sie schon seit heute morgen auf den Beinen und normalerweise war sie um diese Uhrzeit schon längst am schlafen. Als sie Begriff, dass sie wirklich bei John übernachten würde, freute sie sich. Kurz war alles vergessen was heute passiert war, oder besser gesagt, was nicht passiert war.
Erst wollte sie John um den Hals fallen und ihm vor Freude einen Kuss aufdrücken. Doch dann besann sie sich und sagte nur "Ok.".
"Ok, gut, du kannst dann in meinem Bett schlafen und ich mach es mir auf der Couch im Wohnzimmer gemütlich.", sagte er und wollte schon aufstehen.
"Nein!", sagte Jenny laut aus einem Impuls heraus. Erst danach wurde ihr bewusst, dass sie das wirlich laut gesagt hatte. "Alleine hab ich Angst." John sah sie kurz an und lächelte dann. "Ok, mein Bett ist wohl groß genug, dann schlafen wir beide hier." Jenny war überglücklich.
John ging kurz aus dem Zimmer um seiner Mutter über die Situation bescheid zu geben. Diese machte sich Sorgen und versprach weiter zu versuchen bei den Fernandez anzurufen. Sie schlug außerdem vor, dass John Jenny ja morgen kurz bei der Grundschule abliefern konnte bevor er zu dem beanchbartem Gymnasium ging, dass er besuchte.
Danach ging er wieder in sein Zimmer, gab Jenny ein großes T-Shirt von sich, was sie zum schlafen anziehen sollte und zog sich selber um, um sich danach neben Jenny ins Bett zu legen.
"Fertig?", fragte er. Jenny nickte und er schaltete das Licht aus.
John war sich total unsicher was er tun sollte, ob er sich bewegen durfte, oder ob schon eine kleine Bewegung das zarte Wesen beim einschlafen störren würde.
Doch dann hörte er wieder ein leichtes Schluchzen.
Er wusste was zu tun war. Er nahm Jenny in den Arm und so schliefen die beiden eng aneinander gekuschelt ein.
Ca. 20:27 Uhr im Elisabeth Krankenhaus
Operationssaal 1
"Ich glaube wir verlieren ihn!" rief eine Krankenschwester dem behandelnden Arzt zu. Sie hatte die Monitore welche die Aktivitäten des Herzes von Alessandro Fernandez aufzeichneten die ganze Zeit genau im Blick gehabt. Vor einigen Sekunden war die Herz- Frequenz in einen bedrohlichen Bereich gefallen. Mittlerweile war er sogut wie nicht mehr vorhanden. Plötzlich ertönte ein durchgehender Piep Ton. "Schnell die Akkus aufladen!", rief der Arzt. Ein Krankenschwester reichte ihm die Schocker.
Der Arzt hielt die Schocker aneinander und drückte sie dann auf Alessandros Brust, doch nichts passierte. Er wiederholte den Vorgang 5 Mal. Dann legte er die Schocker beiseite und sah auf die Uhr. "Todeszeitpunkt 29. Dezember 1988, 20:30 Uhr."
Etwa zur gleichen Zeit, Operationssaal 2
Gaby beobachtete die ganze Zeit schon die junge Assitenz Ärztin die neben ihr stand und selbst angestrengt auf die Bewegungen des Arztes achtete. Den Arzt selber konnte sie nicht sehen, daher erhoffte sie sich von dem Gesicht der Assistenz Ärztin ablesen zu können ob etwas schlimmer passierte.
Plötzlich hörte Gaby ein klackendes Geräusch, fast schon ein schnippen. "Was ist passiert?", fragte sie ängstlich. "Keine Sorge Misses Fernandez!", sagte der Arzt und hob dabei seine Hände in die Höhe auf denen ein kleines braunes Bündel, welches von der noch auf ihm befindlichen Käseschmiere gelb schimmerte, in die Höhe. In dem Moment fing der kleine Körper an zu schreien. "Herzlichen Glückwunsch, es ist ein kleines Mädchen!", mit diesen Worten hielt er ihr kurz das Kind vor die Augen, zog es dann aber sofort wieder weg und übergab es einer Hebamme, die schon die ganze Zeit mitdabei gewesen war.
Doch Gaby hatte sich das Gesicht ihrer kleinen Prinzessin sofort eingeprägt. Sie war das wunderschönste was sie jemals gesehen hatte. Vom ersten Moment an liebte sie dieses kleine Mädchen über alles auf dieser Welt.
Während Gaby noch völlig in ihren Gedanken versunken war diktierte der Arzt einen Krankenschwester für die Akte: "Geburtszeitpunkt 29. Dezember 1988, 20:31 Uhr."
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen